Beratung im Kontext Psychotherapie und Psychiatrie

Psychische Gesundheit im Spannungsfeld von Radikalisierung und Ausstieg

Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist vom Wiedererstarken radikaler ethno-politischer oder religiös-politischer Ideologien, die ihren Anhänger*innen entsprechende Geschichtsmythen und Zeitdiagnosen unterbreiten, die oft mit apokalyptischen Verfallsszenarien und dem Aufruf zur Überwindung des bestehenden „Systems“ verbunden sind. Sie lassen ihre Anhänger*innen glauben, dass sie am Aufbau einer „idealen Gesellschaft“ mitwirken und sich selbst „neu erfinden“ könnten. Solche Suggestionen freiheitsfeindlicher Bewegungen und Gruppen treffen in den psychischen Tiefenschichten von (jungen) Menschen in kritischen Lebenssituationen auf starke Resonanz. Sie projizieren ihre höchst persönlichen Bedürfnisse in diese Versprechen hinein ebenso wie ihren Hass auf die aus ihrer Sicht „Schuldigen“. Für die Unterstützung von Deradikalisierung und Ausstiegsprozessen ist es daher wichtig, die psychischen und sozialen Faktoren, die dieser Idee von Bruch und Neubeginn zugrunde liegen, gut zu verstehen.

Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, aber auch Pflegekräfte und Sozialarbeiter*innen im Gesundheitswesen, können in vielfältiger Weise mit Radikalisierungsdynamiken in Berührung kommen. Vielleicht wenden sich Eltern oder Lebenspartner*innen radikalisierter Personen ratsuchend an sie oder vielleicht geht es um das Wohl der Kinder, wenn Radikalisierungsdynamiken eine Familie spalten. Es kann auch passieren, dass sie direkt mit Menschen in Kontakt kommen, die sich extremistischen Angeboten zuwenden und Andeutungen zu entsprechenden Lebensentscheidungen oder Tatplanungen machen. Denkbar ist aber ebenfalls, dass Patient*innen in Lebenskrisen, die sich von destruktiven Gruppen und Diskursen lösen wollen, dies im persönlichen Gespräch mit ihrem*ihrer behandelnden Arzt, Ärztin oder Therapeut*in offenbaren.

Wie sollen sich die Gesundheitsberufe in diesem komplexen Problemfeld situieren? Was bedeutet dies für die eigene Haltung und die eigene Rolle? Welchen Beitrag kann ein*e Arzt oder Ärztin oder ein*e Psychotherapeut*in leisten, um im klinischen Fallverstehen die besondere Situation, Motive und Bedürfnisse des*der Patient*in zu berücksichtigen, darauf ein- und damit umzugehen? Wann und wie ist es notwendig, Position zu zeigen und Grenzen zu ziehen? Wie kann der soziale Kontext, kulturelle Aspekte und die Biographie besser verstanden werden? Wie kann man sich selbst angemessen schützen, und wie mit Risiken umgehen?

TRIAS Berlin hat daher ein Beratungsangebot entwickelt, welches sich zunächst vor allem an psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innen und psychiatrische Berufsgruppen richtet. Unser Angebot wird durch ein interdisziplinäres Team getragen. Wir richten mit Ihnen gemeinsam den Blick auf die komplexen Wechselwirkungen des sozial-kulturellen Kontextes: radikale Gruppenzugehörigkeit, mediale Diskurse sowie die “Innenwelt” der gefährdeten oder radikalisierten Person. Ein Anliegen ist uns, Sie bei Ihrem Fallverstehen zu unterstützen, damit Sie auch in schwierigen Behandlungsbeziehungen gut durchdachte Entscheidungen treffen können.

Wie können Sie Kontakt zu uns aufnehmen?

Frau Dr. Claudia Lozano ist als Soziologin qualifiziert im Bereich psychoanalytische Sozial- und Kulturtheorie und arbeitet seit mehreren Jahren an der Schnittstelle von Fragen der Radikalisierung, Religion, Gender und Migration. Sie führt die Erstgespräche, und unterbreitet Ihnen ein Angebot zur Gestaltung der Beratung. Sie arbeitet mit ihren psycho-therapeutischen Kolleg*innen bei TRIAS Berlin zusammen. Bei komplexen Fragestellungen hält sie Rücksprache mit ihrem Team oder gibt Anfragen weiter. Wir arbeiten diskret und wahren die Schweigepflicht.

Gerne können Sie uns kontaktieren:

Kerstin Sischka, psychologische Psychotherapeutin (AP/TP)
Email: trias-berlin@violence-prevention-network.de