Veranstaltungen

Das Projekt TRIAS Berlin bietet 2021 drei Online-Veranstaltungen an, in deren Zentrum der Blick zunächst auf Kindheit, Spiritualität und Gender-Konstruktionen im Islamismus gerichtet ist. Die Veranstaltungen können einzeln besucht werden, sie bauen nicht aufeinander auf. (Wir beantragen Fortbildungspunkte bei der Berliner Psychotherapeut*innen-Kammer.)

Online-Veranstaltungsreihe:
Wachsen - Glauben - Kämpfen

Islamistische Radikalisierung und ihre Auswirkungen auf Kinder, Jugendliche und Familien

Ein Thema für Psychotherapie und Psychiatrie

Krisenhafte Phänomene, wie die Corona-Pandemie, internationale Konflikte, der politische Wertewandel und die wachsende Polarisierung, bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit unserer Arbeit sind wir Psychotherapeut*innen auch Beobachter*innen dieser Veränderungen, die sich in individuellen Lebensrealitäten und Schicksalen widerspiegeln. Die dabei erlebten Krisen wirken sich als individuelle Stressoren aus, verursachen Ungewissheit, Ängste, Gefühle von Kontrollverlust und Orientierungslosigkeit. Die Biographien unserer Patient*innen sind vielfältiger geworden und haben oftmals Brüche. Darunter sind auch Menschen, die Systemwechsel und Krieg erlebt haben, die zugewandert sind und dabei Vertreibung und Flucht durchleiden mussten. Es sind Menschen, die durch Zerstörung und Gewalt Traumata erlitten haben. All dies nimmt Einfluss darauf, wie Krisenerfahrungen verarbeitet werden und welche Ideen ein Mensch aufnimmt. Manche Menschen beginnen in solchen Zeiten, sich radikalen religiösen oder politischen Ideologien zuzuwenden und nach Gemeinschaften zu suchen, in denen sie ihr Unbehagen mit Gleichgesinnten teilen. Die Dynamik von solchen Radikalisierungsprozessen kann sich durch ganze Familien ziehen und teilweise auch durch die Biographien unserer Patient*innen.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung per Email an:
heinrich.vogel@violence-prevention-network.de

17. August 2021, 20-21.30 Uhr

Zwischen Hölle und Paradies – Kind sein in radikalisierten Lebenswelten

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Die Veranstaltung setzt sich mit der spezifischen Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in ideologisch geprägten Umfeldern auseinander. Im globalen Maßstab rekrutieren oder instrumentalisieren islamistische und terroristische Gruppen immer häufiger Kinder und Jugendliche für ihre Ideologie. Nicht selten wachsen Kinder bereits in radikalisierten Familien auf – mit Vätern, die am bewaffneten Kampf teilnehmen – oder werden in Trainingslagern auf den zukünftigen Dschihad vorbereitet. Besonders Kinder, die in Syrien den Bürgerkrieg erlebt haben und (in naher Zukunft) nach Deutschland zurückkehren, standen und stehen unter dem Einfluss derartiger Gewalt. Ideologien und Traumata haben ihre Lebenswelten erschüttert. Welche Problemstellungen sind bei Kindern aus solchen Umfeldern zu beobachten? Wie kann man sich ihren Realitäten annähern? Welche Möglichkeiten gibt es, Kindern aus radikalisierten Kontexten zu helfen?

7. September 2021, 20-21.30 Uhr

„Wir hören und wir gehorchen.“ – Über Spiritualität und religiöse Dogmen im Salafismus

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In unserer zweiten Veranstaltung beschäftigen wir uns mit Fragen nach der Rolle von Spiritualität und religiösen Dogmen in der salafistischen Szene. Der Lebensalltag wird dort umfassend den fundamentalistischen Regeln, Praktiken und Deutungskategorien unterworfen. Paradoxerweise wirken sich diese nicht immer kontraproduktiv aus. Das strikte Verbot von Drogenmissbrauch kann beispielsweise dazu führen, dass Anhänger*innen des Salafismus sich durch die neue Spiritualität aus einer vorhandenen Abhängigkeit lösen. Allerdings resultieren aus religiösen Deutungsmustern auch Herausforderungen, mit denen Psychotherapeut*innen konfrontiert werden können. Wie geht man damit um, wenn Patient*innen Probleme religiös zu deuten versuchen? Welche Narrative sind dabei häufig anzutreffen? Und welche Rollen können Psychotherapeut*innen gegenüber betroffenen Patient*innen einnehmen?

26. Oktober 2021, 20-21.30 Uhr

„Bruder, sei ein Löwe!“ – Über Gender- konstruktionen in der salafistischen Szene

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In dieser Veranstaltung setzen wir uns mit den traditionellen Rollenbildern im Salafismus auseinander. Es geht um das religiös begründete Verständnis der Rollen von Männern und Frauen, das sich gegen moderne Geschlechtervorstellungen richtet. Aus diesem Rollenverständnis heraus bilden sich Szenen bis hin zu Parallelgesellschaften, die ein System von Selbstkontrolle und Überwachung etablieren, in dem es nur wenige Spielräume für individuelle Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Weibliche Emanzipation wird von Salafist*innen als Bedrohung wahrgenommen, als Zeichen einer verkommenen und sexualisierten Gesellschaft. Doch es gibt auch Nuancen. Wie ist die Rückbesinnung auf tradierte Rollenbilder zu deuten? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die psychotherapeutische Praxis?